Pferdeweiden Teil 1: Sichere Pferdekoppeln – Grundlagen für den Weidezaunbau

Für das Lauftier Pferd gehört täglicher Auslauf zum Wohlbefinden dazu und ist sogar tierschutzrechtlich vorgeschrieben. Am besten eignen sich dafür weitläufige Weiden und Koppeln, auf denen die Pferde spielen, toben, aber auch fressen können. Durch ihr tierartspezifisches Verhalten werden hohe Ansprüche sowohl an den Boden als auch die Umzäunung der Pferdeweide gestellt. Vor allem der Weidezaun sollte ausbruchsicher und für die Pferde gut sichtbar gestaltet sein. Welche Materialien für einen ausbruchsicheren Weidezaun notwendig sind und welchen Ansprüchen er genügen muss, liest du in diesem Ratgeber.

Pferd steht bei Sonnenaufgang auf einer Wiese

Die richtige Grundausstattung für eine Pferdeweide – sichtbar, sicher, stabil

Pferde haben als Flucht- und Lauftiere sowohl einen ausgeprägten Bewegungsdrang als auch Fluchtgedanken. Daher muss der Weidezaun stabil, sichtbar und sicher beschaffen sein. Die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten empfehlen eine Zaunhöhe von > 0,75 x Widerristhöhe der eingezäunten Pferde. Kleinpferde und Ponys bedürfen daher eine andere Zaunhöhe als Großpferde. Der Zaun sollte stabil und für das Pferd gut identifizierbar sein. Gut sichtbar sind Holzlattenzäune, Metallrohre und Elektrozäune mit farbiger Litze oder weißem Breitband.

Reiner Stacheldraht oder Schafnetze sind nicht ausbruchsicher und zudem tierschutzwidrig.

Zaunpfähle für Weidezäune

Immer noch allseits beliebt und ästhetisch anmutend, ist der klassische Holzzaun. Mithilfe von Holzpfählen und Holzlatten wird ein stabiler und meist langlebiger Weidezaun errichtet, der zudem für Pferde gut erkennbar ist. Für eine noch bessere Hütesicherheit und damit die Pferde die Latten nicht anknabbern, sollte der Holzzaun dennoch zusätzlich mit Stromlitze gesichert werden.

Eine Reihe von Kunststoffpfählen

Flexibler und mobiler gestaltet sich der Weidezaunbau mit Metall- oder Kunststoffpfählen. Diese sind in der Regel schnell und einfach in den Boden gerammt und eine kostengünstigere Alternative zu einem Holzzaun. Hierbei sollte alle vier bis fünf Meter ein Zaunpfahl gesetzt werden. Damit das Leitermaterial gut gespannt werden kann, sollten Eckpunkte und Durchgänge aus Metallpfosten bestehen.

Zaunpfähle für Weidezäune gibt es in unterschiedlichen Größen, um die empfohlene Zaunhöhe von 0,75 x Widerristhöhe zu erfüllen. Fallen die Pfähle zu klein aus, gibt es je nach Zaunsystem die Möglichkeit, die Höhe der Pfähle mithilfe von Verlängerungen zu vergrößern.

Weidezaunbändern, Seile und Litzen – das passende Leitermaterial für Weidezäune

Beim Leitermaterial von Pferdekoppeln kannst du zwischen Weidezaunbändern, Seilen und Litzen wählen. Je nach Weidegröße, Pferdetemperament und Weideumgebung, wie zum Beispiel Straßennähe, eignen sich die verschiedenen Leitermaterialien unterschiedlich gut. Neben guter Sichtbarkeit spielen bei der Wahl auch Wind, Eis/Schnee und Bewuchs eine tragende Rolle.

Weidezaunband für Pferdekoppeln ist optisch auffälliger als ein Zaunseil oder gar eine dünne, transparente Litze. Allerdings sind Weidezaunbänder auch sehr windanfällig und können damit die Stabilität des Zaun gefährden.

zwei Rollen Leitermaterial

Daher sind Weidezaunseile für Pferdekoppeln sehr beliebt. Sie sind weniger windanfällig, sichtbarer als eine dünne Litze und haben zudem eine gute Leitfähigkeit. Seile bestehen aus Kunstfasern, die mit Elektrodraht verzwirbelt sind und mindestens 6 oder 8 mm dick sind.

Eine Kombination aus Breitband und Seil hat sich in der Praxis bewährt, um sowohl Sichtbarkeit als auch Schlagkraft gleichermaßen zu gewährleisten.

Achte bei der Auswahl des Zaunmaterials besonders auf den angegebenen Widerstand des Materials, was in Hinblick auf die Größe und den Bewuchs der Weide entscheidend ist. Je größer der Widerstand des Materials ist, desto geringer die Spannung und die damit erreichte Hütespannung. Daher: Je größer die Weide, desto geringer muss der Widerstand sein. Der Widerstand ist immer in Ohm/m angegeben. Bei kurzen Zäunen reicht ein Elektroseil mit 3,4 Ohm/m aus, um dem Weidezaun ausreichend Hütespannung zu verleihen. Wird der Zaun allerdings länger als 200 m, dann sollte man auf ein hochwertiges Elektroseil Wert legen, das einen geringen Widerstand von circa 0,07 Ohm/m aufweist.

Für eine einwandfreie Leitung ist auch die Spannung des Zauns wichtig, das Leitermaterial darf nicht durchhängen. Hier kann es je nach Temperaturschwankung und Wetterlage möglich sein, dass sich das Leitermaterial entsprechend dehnt oder zusammenzieht. Aus diesem Grund empfehlen sich Zaunspanner für Weidezäune, mit denen man Litzen und Bänder je nach Bedarf nachspannen kann.

Isolatoren für den Weidezaun

Verschiedene Arten von Isolatoren

Je nachdem, welches Leitermaterial verwendet wird, sind die Isolatoren zu wählen. Mobile Kunststoffpfähle verfügen über integrierte Isolatoren und Halterungen, die sowohl für Breitband als auch Litze und Seil geeignet sind. Bei Metallpfosten und Holzpfosten hingegen müssen die Isolatoren angebracht werden. Je nach Zaunsystem gibt es sie zum Anclipsen oder zum Eindrehen mit Gewinde.

Das Weidezaungerät – das Herzstück des Elektrozauns für die Pferdeweide

Das Weidezaungerät schickt im Abstand von 1 bis 1,4 Sekunden elektrische Impulse durch das Leitermaterial, die für das Pferd nicht gefährlich, aber markant unangenehm sind.

Wer eine Stromquelle in der Nähe des Weidezauns hat, der kann ein Netzgerät verwenden, um die Koppel unter Strom zu setzen. Das ist allerdings nur in Stallnähe der Fall. Für entferntere Weiden und mobile Koppeln eignen sich Weidezaungeräte mit Batterie betrieben oder Weidezaun-Akkugeräte. Je nach Gerät benötigst du dann ein 12V-Akkugerät zum Aufladen oder eine 9V-Batterie zur Einmalentladung. Damit der Stromkreis einwandfrei funktioniert, ist zudem ein verzinkter, nicht rostender Erdstab unerlässlich. Dieser wird idealerweise in eine immer feuchte Stelle in der Nähe des Stromgeräts gehauen. Trockener Boden leitet den Strom nicht.

Welche Weidezaungeräte für deine Pferdekoppel in Frage kommen und wie du einen funktionierenden Stromkreis herstellst, erfährst du im nächsten Ratgeber unserer Pferdeweide-Reihe.

Weiteres Weidezaunzubehör

Zu guter Letzt gehören zu einem fertigen Weidezaun Verbindungskabel oder Verbinder, Weidetore mit Griffen, ein Blitzschutz, ein Zaunprüfer und die Kennzeichnung, dass es sich um einen Elektrozaun handelt, dazu.

Welche Arten von Pferdeweiden gibt es?

Damit sich die Weideflächen von Verbiss und Trittschäden erholen können, gibt es verschiedene Arten von Weidehaltungen:

  • Standweide: Die Pferde werden während der ganzen Weidesaison auf einer Fläche gehalten und nicht auf eine andere umgetrieben. Dafür muss die Weidefläche groß genug sein, damit die Grasnarbe sich regenerieren kann.
  • Portionsweide: Die Futterzuteilung auf der Gesamtfläche erfolgt täglich portionsweise. Die Fläche wird gleichmäßig abgefressen und ein übermäßiges Selektieren wird verhindert.
  • Umtriebsweide/Koppelweide: Die Gesamtfläche wird in kleinere Parzellen unterteilt und die Pferde werden je nach Futterangebot umgetrieben.
  • Auslaufweide: Die Bewegung steht vor der Futteraufnahme.
  • Winterweide: Pferde haben im Winter die Möglichkeit, auf die Weide zu kommen.
  • Mähweide: Mähweiden dienen sowohl der Abweidung als auch der Heugewinnung.

Was zeichnet eine gute Pferdeweide aus?

Eine Pferdeweide muss mehreren Anforderungen gerecht werden, die sich von der Haltung anderer Weidetiere unterscheidet. Eine Weide für Pferde muss sowohl Futter liefern, als auch dem ausgeprägten großen Bewegungs- und Spieldrang der Pferde standhalten.

  • Pferde sind Lauf- und Fluchttiere: Trittschäden führen zu Lücken in der Grasnarbe, in die sich Unkräuter und Giftpflanzen ansiedeln. Eine Pferdeweide braucht daher eine dichte, strapazierfähige Grasnarbe durch rasenbildende Gräser mit einer schnellen Regenerationsfähigkeit. Lücken müssen mit einer Nachsaat geschlossen werden.
  • Kotverhalten der Pferde: Pferde koten immer auf dieselben Stellen und fressen anschließend diese Stellen nicht ab. Es entstehen Geilstellen, die sich bei nicht Beseitigung ausbreiten und die Futterfläche verringern. Daher müssen Pferdeweiden regelmäßig abgeäppelt und abgemulcht werden.
Pferd steht auf einer abgefressenen Koppel mit Holzzaun

  • Pferde fressen selektiv: Pferde sind wählerische Fresser. Unschmackhafte Gräser und Kräuter verbreiten sich bei schlechter Weidepflege. Daher weist eine gute Pferdeweide einen ausgewogenen Pflanzenbestand von 70 % Gräser und 30 % Kräuter auf und ist frei von Giftpflanzen.
  • Pferde verbeißen tief: Pferde verbeißen Gräser bodennah, was das Gras stresst und zur gesundheitsschädlichen Giftbildung führt. Pferdeweiden müssen daher bei einer minimalen Stoppelhöhe von 5 cm umgesetzt werden.
  • Pferdegruppengröße hat Auswirkung auf Beweidung: Überbeweidung (viele Pferde, wenig Futter) führt zu gestressten Gräsern und damit zu Giftstoffen. Bei einer Unterbeweidung (zu viel Fläche bei zu wenig Pferden) haben unliebsame Pflanzen die Möglichkeit, sich zu stark auszubreiten. Die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen empfehlen eine Auslauffläche für 2 Pferde mit 150 m², für jedes weitere Pferd zusätzliche 40 m².

Gesetzliche Richtlinien für Weidezäune – was ist zu beachten?

Einfach einen Zaun aufstellen und ein paar Pferde auf die Koppel lassen – das ist weder im Sinne des Gesetzgebers, noch ist dadurch eine Ausbruchssicherheit der Pferde gegeben. Damit du sowohl deine Pferde auf der Weide vor äußerlichen Einflüssen schützt, als sie auch an einem Ausbruch hindern kannst, gibt es neben den Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen ein paar Richtlinien zu beachten.

Die gesetzlichen Vorschriften sind im Verband der Elektrotechnik VDE 0667, VDE 0131 und der DIN EN 60335-2-76 festgehalten. Wir haben für dich hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Ein Elektrozaun muss als solcher gekennzeichnet werden: alle 50 m muss ein Warnschild mit Text und Bild auf elektrische Spannung hinweisen. Hänge die Schilder am besten dort auf, wo kein Elektrozaun vermutet wird, an jedem Tor und jedem öffentlichen Zugang
  • ein Weidezaun darf immer nur von einem Weidezaungerät versorgt werden
  • das Weidezaungerät muss mittels Erdstab geerdet werden, der einen Mindestabstand von 10 m zu anderen Erdungssystemen einhalten muss
  • zwischen zwei Elektrozäunen mit unterschiedlichen Weidezaungeräten müssen mindestens 3 m Abstand eingehalten werden
  • der Elektrozaun darf keine elektrische Gefahr für weder Pferde, noch Menschen und Tiere der Umgebung darstellen, weshalb ein Stacheldraht nicht als elektrischer Zaun verwendet werden darf
Weidezaungerät

Wie viel Volt sollte ein Weidezaun haben?

Damit ein Zaun hütesicher ist, bedarf es einer Mindestspannung von 2.500 Volt, bei Pferden mit dickem Fell sind 4.000 Volt angebracht. Der Graswuchs und die Zaunlänge haben hierbei Einfluss auf die Spannung. Damit der Weidezaun seine größtmögliche Leistung erbringen kann, ist der Zaun regelmäßig frei zu schneiden und brüchige Abschnitte zu ersetzen. Auch viel geflickte Litze kann die Leistung massiv herabsetzen.

Wie hoch sollte ein Weidezaun sein?

Die Leitlinien der Pferdehaltung der FN empfehlen eine Zaunhöhe von 0,75 x Widerristhöhe der eingezäunten Pferde. Gehe dabei vom größten Pferd aus. Je nach Höhe des Zauns werden 2 bis 3 Litzen oder Bänder benötigt, um eine gut sichtbare Barriere zu schaffen. Die Position der Drähte ist hierbei stark von der Pferdegröße abhängig. Bei Ponys muss das untere Band natürlicher tiefer angesetzt werden, als beispielsweise bei einem Deutschen Sportpferd.

verschiedene Weidezaunpfähle

Wer haftet bei Schäden, die durch Ausbrechen der Pferde entstanden sind?

Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist festgehalten, wer für Schäden haftet, die an Menschen oder Gegenständen entstehen, sollte ein Pferd ausgebrochen sein.

Ein beruflicher Tierhalter (Landwirt, Stallbetreiber) haftet nur bei eigenem Verschulden, wenn er seine Pflichten verletzt. Das heißt, kontrolliert er täglich die Zäune auf Ausbruchssicherheit, schließt er die Tore und ist der Zaun funktionstüchtig und stabil gebaut, haftet er für die Schäden nicht.

Bist du allerdings ein nicht-beruflicher Pferdehalter (Pensionspferdehalter, Hobby-Reiter), haftest du generell für alle auftretenden Schäden, die dein Pferd verursacht.

Es ist daher mehr als zu empfehlen, stets wachsam zu sein und beim nächsten Gang zur Koppel selbst ein Auge auf die Zäune zu haben, um eventuelle Mängel dem Stallbetreiber unverzüglich zu melden. Regelmäßige Kontrolle kann viel Leid ersparen.